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KI-Interaktion als Spiegel

Werkzeuge für deine persönliche Praxis mit KI

10-15 Minuten Praxis

Wofür?

Jede KI-Antwort ist nicht nur Information über das Thema, sondern über dich. Dieses Tool zeigt, wie du KI als Entwicklungs-Spiegel nutzen kannst.

Das Spiegelungs-Prinzip

Was KI zurückgibt, ist nie “objektiv”. Es ist eine Resonanz auf:

  • Deine Frage (was du fragst)
  • Deinen Ton (wie du fragst)
  • Deine blinden Flecken (was du nicht fragst)
  • Deine Erwartung (was du hören willst)

Die Spiegel-Übung

Phase 1: Die Interaktion

Stelle KI eine Frage, die dich wirklich bewegt. Nicht “erstelle mir…”, sondern etwas, wo du echte Unsicherheit hast.

Beispiel:

  • “Wie gehe ich mit Widerstand in meinem Team um?”
  • “Was macht einen guten Vater aus?”
  • “Warum fällt mir Grenzen setzen so schwer?”

Lies die Antwort. Aber lies sie nicht als “Information”, sondern als Spiegel.

Phase 2: Die Reflexion

Nimm dir Zeit für diese Fragen:

Was in der Antwort…

  • …berührt mich? (emotional spürbar)
  • …irritiert mich? (Widerstand, “aber…”)
  • …überrascht mich? (nicht erwartet)
  • …langweilt mich? (bekannt, belanglos)
  • …vermeide ich zu sehen? (überlesen, übersprungen)

Zu jedem dieser Punkte: Warum? Was sagt das über mich?

Phase 3: Die blinden Flecken

Jetzt die entscheidende Frage:

Was hat die KI NICHT angesprochen?

Schreibe 3-5 Aspekte auf, die in der Antwort fehlen.

Dann frage dich:

  • Habe ich diese Aspekte in meiner Frage ausgeschlossen?
  • Habe ich sie implizit vermieden?
  • Oder hat KI sie nicht gesehen, weil ich sie nicht “senden” konnte?

Meist ist es eine Mischung. Aber genau hier liegt Gold.

Beispiel:

Frage: “Wie gehe ich mit Widerstand in meinem Team um?”

KI antwortet mit Kommunikationsstrategien, Empathie, Prozessen.

Was fehlt:

  • Dein eigener Anteil am Widerstand
  • Was der Widerstand schützen könnte (vielleicht etwas Wichtiges?)
  • Ob “Umgehen” die richtige Bewegung ist (statt “Verstehen”)

Das sind deine blinden Flecken.

Phase 4: Die zweite Frage

Jetzt stelle die Frage neu - mit dem, was du gesehen hast.

Beispiel: “Ich merke, dass ich Widerstand in meinem Team als Problem sehe, das ich ‘umgehen’ muss. Was übersehe ich damit? Was könnte der Widerstand schützen oder ausdrücken wollen?”

Diese zweite Antwort wird anders sein. Tiefer. Weil du anders gefragt hast.

Integration

Nach der Spiegel-Übung

Schreibe auf:

  1. Was habe ich über mich gelernt? (nicht über das Thema)
  2. Welches Muster zeigt sich? (Vermeidung? Kontrolle? Angst?)
  3. Was braucht Integration? (Was will ich wirklich anders machen?)

Für Fortgeschrittene

Probiere diese Varianten:

Bewertungs-Spiegel: Frage KI nach deiner Meinung zu einem kontroversen Thema. Dann: Wo stimme ich reflexartig zu? Wo lehne ich reflexartig ab? Was sage ich damit über meine Identität?

Emotions-Spiegel: Bitte KI, deinen eigenen Text zu analysieren (z.B. eine wichtige E-Mail). Was wird sichtbar, das du nicht beabsichtigt hast?

Schatten-Spiegel: Frage KI nach Eigenschaften, die du bei anderen ablehnst. Lies die Antwort und frage: Wo lebe ich das selbst, ohne es zu sehen?

Der tiefe Punkt

Je mehr du KI als Spiegel nutzt, desto weniger brauchst du sie als Werkzeug.

Nicht, weil KI unwichtig wird, sondern weil du selbst klarer wirst über:

  • Was du wirklich fragen willst
  • Was du wirklich wissen musst
  • Was du nur vermeiden willst

Und manchmal merkst du: Die beste Antwort kommt nicht von KI. Sie kommt aus der Stille, nachdem du die Frage wirklich gesehen hast.