Delegation-Kompass: Was gebe ich ab?
Werkzeuge für deine persönliche Praxis mit KI
Wofür?
Nicht alles sollte delegiert werden. Aber wie erkennst du, was? Dieser Kompass hilft dir zu entscheiden, wann KI sinnvoll ist - und wann nicht.
Die vier Zonen
Zone 1: DELEGIEREN (ohne Bedenken)
Das sind Aufgaben, die:
- Mechanisch wiederholend sind
- Keine persönliche Entwicklung fördern
- Zeit kosten ohne Wert zu schaffen
- Klar definierte Ergebnisse haben
Beispiele:
- Formatierung von Dokumenten
- Daten-Extraktion
- Erste Recherche-Zusammenfassungen
- Code-Boilerplate
- Übersetzungen
Warum delegieren: Hier verlierst du nichts. Du gewinnst Zeit für das, was wirklich zählt.
Zone 2: MIT BEWUSSTSEIN DELEGIEREN
Das sind Aufgaben, die:
- Routine haben, aber Nuancen brauchen
- Dein Verständnis voraussetzen
- Überarbeitung nach Delegation brauchen
- Deine “Stimme” tragen sollen
Beispiele:
- Erste Entwürfe von Texten
- Struktur von Präsentationen
- Brainstorming-Partner
- Code-Optimierung
- Zusammenfassungen eigener Gedanken
Warum bewusst delegieren: KI gibt dir einen Rohdiamant. Aber du musst ihn schleifen. Wenn du das vergisst, wird’s generisch.
So geht’s gut:
- Klarer Kontext beim Prompt
- Erste Version als Ausgangspunkt sehen, nicht als Endergebnis
- Aktive Überarbeitung mit deiner Perspektive
- Check: Würde ich das so unterschreiben?
Zone 3: NUR TEILWEISE DELEGIEREN
Das sind Aufgaben, die:
- Dich als Person definieren
- Tiefe Beziehungen berühren
- Existenzielle Fragen betreffen
- Deine Integrität ausmachen
Beispiele:
- Wichtige E-Mails an Menschen, die dir wichtig sind
- Strategische Entscheidungen
- Kreative Konzepte
- Persönliche Reflexionen
- Komplexe Problem-Diagnose
Was delegierbar ist:
- Recherche im Vorfeld
- Strukturierungs-Hilfe
- Perspektiven-Check
- Formulierungs-Varianten
Was NICHT delegierbar ist:
- Die Entscheidung selbst
- Die persönliche Note
- Die Verantwortung
- Das eigene Nachdenken
So geht’s gut: Nutze KI als Sparringspartner, nicht als Ersatz. Du bleibst der Autor.
Zone 4: NIEMALS DELEGIEREN
Das sind Aufgaben, die:
- Dich als Person definieren
- Tiefe Beziehungen berühren
- Existenzielle Fragen betreffen
- Deine Integrität ausmachen
Beispiele:
- Entschuldigung bei geliebten Menschen
- Abschied von jemandem
- Persönliche Werte-Entscheidungen
- Dinge, die “von dir” kommen sollen
- Momente, die Präsenz brauchen
Warum niemals: Hier geht es nicht um Effizienz. Hier geht es um Menschsein.
KI kann diese Momente simulieren - aber genau das wäre der Verlust.
Die Entscheidungs-Matrix
Bei jeder Aufgabe, bevor du KI öffnest:
Frage 1: Lerne ich etwas Wichtiges, wenn ich es selbst mache?
- Ja → Zone 3 oder 4
- Nein → Zone 1 oder 2
Frage 2: Betrifft es eine wichtige Beziehung?
- Ja → Zone 3 oder 4
- Nein → Zone 1 oder 2
Frage 3: Würde ich es persönlich unterschreiben wollen?
- Ja → Zone 2, 3 oder 4 (je nach Grad)
- Nein → Zone 1
Frage 4: Geht es um Präsenz oder um Output?
- Präsenz → Zone 4
- Output → Zone 1 oder 2
Vertiefung
Der gefährliche Mittelpunkt
Die meisten Probleme passieren in Zone 2 und 3.
Hier delegierst du aus Bequemlichkeit, was Entwicklung fördern würde. Oder du delegierst nicht aus Perfektionismus, was einfach Zeit kostet.
Übung: Nimm deine letzte Woche. Kategorisiere deine KI-Nutzung.
- Wie viel war Zone 1? (gut)
- Wie viel war Zone 2? (okay, wenn überarbeitet)
- Wie viel war Zone 3? (kritisch prüfen)
- Wie viel war Zone 4? (sollte null sein)
Die Entwicklungs-Frage
Mit der Zeit verschiebt sich, was in welche Zone gehört.
Beispiel: Als Anfänger: Code schreiben ist Zone 3 (Entwicklung) Als Experte: Code schreiben ist Zone 2 (Delegation mit Bewusstsein)
Das ist gut so. Es heißt: Du entwickelst dich.
Aber: Achte darauf, dass du nicht alles in Zone 1 verschiebst. Dann verlierst du den Kontakt zur Materie.
Integration
Erstelle deine persönliche Delegation-Liste:
Immer delegieren:
- …
- …
- …
Mit Bewusstsein delegieren:
- …
- …
- …
Nur teilweise delegieren:
- …
- …
Niemals delegieren:
- …
- …
- …
Diese Liste ist nicht fix. Sie entwickelt sich mit dir. Aber sie gibt dir Orientierung, wenn du unsicher bist.