5-Phasen-Integrationsprozess
Werkzeuge für bewusste KI-Integration in Teams
Wofür?
Bewusste KI-Integration folgt einem natürlichen Rhythmus. Diese fünf Phasen helfen euch, den Prozess zu strukturieren - ohne ihn zu mechanisieren.
Die fünf Phasen
PHASE 1: PAUSE
Worum geht’s: Bevor ihr handelt - innehalten. Dem Impuls “Wir müssen jetzt…” mit Bewusstsein begegnen.
Warum so wichtig: Die meisten Organisationen überspringen diese Phase. Dann integrieren sie nicht KI, sondern ihre Angst vor KI.
Konkrete Praxis:
1.1 Führungsteam-Reflexion
- Halbtägiger Workshop (ohne Agenda)
- Fragen:
- Was treibt uns wirklich? (Angst, Neugier, Druck?)
- Was erhoffen wir uns? (Ehrlich, nicht PR-mäßig)
- Was befürchten wir? (Auch das Unausgesprochene)
- Sind wir bereit für Veränderung? (Oder wollen wir nur ein Tool?)
1.2 Nervensystem der Organisation spüren
- Wie ist die aktuelle Stimmung? (Stress, Offenheit, Erschöpfung?)
- Gibt es Raum für Neues? (Oder sind alle schon überlastet?)
- Wie ist das Vertrauen? (Zwischen Führung und Teams?)
1.3 Erwartungen klären
- Was ist realistisch in 6 Monaten?
- Was ist Wunschdenken?
- Wo sind wir bereit, zu lernen (auch durch Fehler)?
Check: Phase 1 ist abgeschlossen, wenn…
- Führung hat gemeinsame Klarheit (nicht nur Konsens)
- Es gibt echten Raum für das Neue (zeitlich, energetisch)
- Die Organisation ist “bereit” (nicht nur “will”)
Dauer: 2-4 Wochen
PHASE 2: FRAGE
Worum geht’s: Die richtige Frage finden. Nicht “Wie nutzen wir KI?”, sondern “Was braucht unsere Organisation wirklich?”
Warum so wichtig: Die Frage bestimmt, was möglich wird. Falsche Frage = falsche Antwort.
Konkrete Praxis:
2.1 Bedarfsklärung (nicht top-down)
- Interviews mit verschiedenen Ebenen
- Was sind echte Schmerzpunkte?
- Wo geht Zeit für Bedeutungsloses verloren?
- Was würden sie gerne tun, haben aber keine Kapazität?
- Was braucht Menschlichkeit, was nicht?
2.2 Potenzial-Mapping
- Wo könnte KI wirklich helfen? (konkret, nicht abstrakt)
- Wo wäre es Ablenkung?
- Wo wäre es gefährlich? (Verlust von Expertise, Beziehung, Qualität)
2.3 Kernfrage formulieren Nicht: “Wie werden wir effizienter?” Sondern z.B.:
- “Wie schaffen wir mehr Raum für das, was Menschen gut können?”
- “Wie entwickeln wir uns als lernende Organisation?”
- “Wie nutzen wir Technologie für mehr Menschlichkeit?”
2.4 Kriterien für Erfolg definieren Was wäre in 1 Jahr ein Erfolg?
- Quantitativ (Zahlen)
- Qualitativ (Kultur, Zufriedenheit)
- Entwicklungsbezogen (Was haben wir gelernt?)
Check: Phase 2 ist abgeschlossen, wenn…
- Die Frage ist klar und trägt
- Verschiedene Perspektiven sind integriert
- Erfolg ist definiert (nicht nur als ROI)
Dauer: 4-6 Wochen
PHASE 3: KLARHEIT
Worum geht’s: Rahmen schaffen. Policies, Prinzipien, Strukturen - aber bewusst, nicht bürokratisch.
Warum so wichtig: Ohne Rahmen wird’s chaotisch. Aber zu viel Rahmen erstickt Entwicklung.
Konkrete Praxis:
3.1 Nutzungs-Prinzipien entwickeln Nicht: 50-seitige Policy Sondern: 5-10 klare Prinzipien
Beispiel:
- Transparenz: Wir sagen, wenn KI im Spiel ist
- Verantwortung: Der Mensch bleibt verantwortlich, nie die KI
- Entwicklung: Wir nutzen KI für Lernen, nicht nur für Output
- Qualität: KI-Output ist Rohdiamant, kein Endprodukt
- Würde: Wir delegieren nie das, was Menschlichkeit ausmacht
3.2 Governance light
- Wer entscheidet was?
- Wie werden Bedenken gehört?
- Wo gibt es Experimentierraum?
- Wo braucht es Freigabe?
3.3 Datenschutz & Sicherheit
- Welche Daten dürfen in KI?
- Welche Tools sind erlaubt?
- Wie gehen wir mit Vertraulichem um?
(Hier technisch werden, aber ohne Angst. Mit Bewusstsein.)
3.4 Kommunikation
- Wie sprechen wir über KI intern?
- Wie nach außen?
- Wie gehen wir mit Ängsten um?
Check: Phase 3 ist abgeschlossen, wenn…
- Rahmen existiert, aber trägt (nicht erstickt)
- Alle wissen, was geht und was nicht
- Es gibt Raum für Experimente
Dauer: 4-8 Wochen
PHASE 4: PILOT
Worum geht’s: Klein anfangen. Lernen. Iterieren. Nicht “ausrollen”, sondern “erkunden”.
Warum so wichtig: Hier passiert die echte Entwicklung. Nicht in der Strategie, sondern in der Praxis.
Konkrete Praxis:
4.1 Pilot-Bereich wählen Nicht: “Alle machen jetzt” Sondern: 1-2 Teams, die…
- Offen sind (nicht gezwungen)
- Diverse Perspektiven haben
- Bereit sind zu experimentieren
- Reflexionsfähig sind
4.2 Use Cases definieren 3-5 konkrete Anwendungen, z.B.:
- Meeting-Vorbereitung mit KI
- Erste Entwürfe von Dokumenten
- Recherche-Unterstützung
- Code-Review
- Brainstorming-Partner
4.3 Begleitung strukturieren Nicht: “Macht mal” Sondern:
- Wöchentliche Reflexions-Runden (30 Min)
- Was funktioniert?
- Was nicht?
- Was überrascht?
- Was fehlt?
4.4 Lernen dokumentieren Nicht für Compliance, sondern für Entwicklung:
- Best Practices sammeln
- Fehler teilen (als Lernquelle)
- Muster erkennen
4.5 Adaptieren Nach 4-6 Wochen:
- Was ändern wir?
- Was verstärken wir?
- Was lassen wir?
Check: Phase 4 ist abgeschlossen, wenn…
- Pilot läuft stabil (nicht perfekt)
- Learnings sind klar
- Nächste Schritte sind evident
Dauer: 3-6 Monate
PHASE 5: INTEGRATION
Worum geht’s: Vom Pilot zur Kultur. Nicht “ausrollen”, sondern “wachsen lassen”.
Warum so wichtig: Hier scheitern die meisten. Sie kopieren den Pilot, statt das Prinzip zu übertragen.
Konkrete Praxis:
5.1 Nicht kopieren, sondern übertragen Frage nicht: “Wie machen wir’s überall gleich?” Sondern: “Was waren die Prinzipien, die funktioniert haben?”
Beispiel:
- Im Pilot war Reflexion entscheidend → Wie schaffen wir Reflexionsräume überall?
- Im Pilot war Freiwilligkeit wichtig → Wie halten wir das bei Skalierung?
5.2 Organisches Wachstum
- Pilot-Teams werden Multiplikatoren (nicht Trainer)
- Sie teilen Erfahrungen, nicht Regeln
- Neue Teams finden eigenen Weg (mit Begleitung)
5.3 Kultur entwickeln KI wird Teil der Arbeitsweise, wenn:
- Menschen darüber sprechen (normal, nicht speziell)
- Fehler geteilt werden (als Lernen)
- Entwicklung sichtbar wird (Erfolge feiern)
- Raum bleibt für Neues
5.4 Kontinuierliche Reflexion
- Quartalweise: Wo stehen wir?
- Was hat sich verändert?
- Was braucht Anpassung?
- Was ist die nächste Entwicklungsebene?
5.5 Nach außen wirken Wenn es bei euch läuft:
- Teilt eure Praxis
- Werdet Vorbild
- Inspiriert andere
Check: Phase 5 ist abgeschlossen, wenn…
- KI ist normal, nicht besonders
- Menschen nutzen es bewusst und eigenständig
- Die Organisation hat ihre eigene Praxis entwickelt
- Es gibt lebendige Weiterentwicklung
Dauer: 6-12+ Monate (ongoing)
Der Check: Wo seid ihr?
Für jede Phase:
□ Noch nicht begonnen □ In Arbeit □ Abgeschlossen □ Übersprungen (kritisch!)
Wenn ihr Phasen übersprungen habt: Das ist der blinde Fleck. Geht zurück.
Wenn ihr in Phase 4 feststeckt: Vermutlich fehlt was in Phase 1-3.
Wenn Integration nicht funktioniert: Vermutlich war der Pilot zu “speziell”, nicht übertragbar.
Wichtige Prinzipien
1. Phasen sind nicht linear
Manchmal braucht ihr in Phase 4 nochmal Pause (Phase 1). Oder in Phase 5 nochmal Klarheit (Phase 3).
Das ist normal. Es ist Entwicklung, keine Checkliste.
2. Dauer ist individuell
Manche Organisationen brauchen 6 Monate, andere 2 Jahre. Beides kann richtig sein.
Wichtig ist: Nicht überstürzen.
3. Bewusstsein > Geschwindigkeit
Langsam und bewusst schlägt schnell und reaktiv. Immer.
4. Menschen > Prozesse
Wenn der Prozess Menschen überrollt: Stop. Dann ist was falsch.
Integration
Nach diesem Check:
-
Wo steht ihr wirklich? (Ehrlich, nicht wo ihr sein solltet)
-
Was ist der nächste sinnvolle Schritt? (Nicht der schnellste, der sinnvollste)
-
Was braucht ihr dafür? (Zeit, Raum, Unterstützung, Mut?)
-
Wer trägt das mit? (Commitment klären)
Dann: Anfangen. Bewusst. Gemeinsam.