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KI im Meeting-Raum: Reflexions-Tool

Werkzeuge für bewusste KI-Integration in Teams

5-7 Minuten Praxis

Wofür?

Meetings mit KI-Unterstützung (Transkription, Zusammenfassung, Aktionspunkte) sind praktisch. Aber: Was verlieren wir dabei? Dieses Tool hilft, das zu reflektieren.

Die neue Meeting-Realität

Typisches Setup:

  • KI transkribiert mit
  • Erstellt Zusammenfassung
  • Extrahiert Action Items
  • Verteilt Protokoll

Klingt effizient. Ist es auch. Aber:

Was passiert mit:

  • Dem Ungesagten?
  • Der Energie im Raum?
  • Den subtilen Spannungen?
  • Dem, was zwischen den Zeilen liegt?

Der Check: Nach jedem KI-assistierten Meeting

1. Präsenz-Check

Frage an jede Person (kurze Runde, 1 Min pro Person):

“Warst du wirklich da - oder schon im Protokoll?”

Was damit gemeint ist:

  • Hast du gesagt, was du sagen wolltest?
  • Oder hast du gesagt, was gut protokolliert aussieht?
  • Warst du präsent im Moment?
  • Oder schon beim “Was kommt in die Zusammenfassung”?

Warum wichtig: KI verändert, wie wir sprechen. Wir werden “protokollierbarer”. Das ist gefährlich.

2. Vollständigkeits-Check

Gemeinsame Reflexion (5 Min):

Lest die KI-Zusammenfassung.

Dann fragt:

Was fehlt?

  • Welche wichtigen Momente sind nicht drin?
  • Welche Zwischentöne?
  • Welche Konflikte wurden geglättet?
  • Was war spürbar, aber nicht sagbar?

Ergänzt das Protokoll: Nicht mit Fakten, sondern mit: “Wichtig war auch…” “Zwischen uns stand…” “Ungeklärt blieb…”

Warum wichtig: KI fasst zusammen, was gesagt wurde. Nicht was gemeint war.

3. Entscheidungs-Check

Für jede getroffene Entscheidung:

Wurde sie wirklich getroffen? (Oder nur so getan, um weiterzumachen?)

Trägt sie das ganze Team? (Oder gibt es Vorbehalte, die nicht ausgesprochen wurden?)

Ist die Begründung vollständig im Protokoll? (Oder würde jemand, der nicht dabei war, sie missverstehen?)

Wenn Nein: Jetzt klären. Nicht später.

Warum wichtig: KI gibt uns das Gefühl von Klarheit. Auch wenn keine da ist.

4. Action-Items-Check

Die KI hat Action Items erstellt.

Für jedes:

Ist klar, wer verantwortlich ist? (Nicht nur “zuständig”, sondern wirklich verantwortlich)

Ist der Kontext klar? (Würde die Person es so machen, wie gemeint?)

Wurde das Commitment gegeben? (Oder nur registriert?)

Kritischer Punkt: KI extrahiert “Wer macht was bis wann”. Aber nicht: “Will die Person das wirklich?”

Praxis: Kurze Runde: “Sagt zu jedem eurer Action Items: Ich übernehme das. Oder: Ich brauche noch Klärung.”

Warum wichtig: Verpflichtungen ohne Commitment sind wertlos.

5. Beziehungs-Check

Stille Runde (jede*r für sich, 1-2 Min):

Frage dich:

  • Wie fühle ich mich nach diesem Meeting?
  • Sind wir näher oder distanzierter?
  • Gab es echte Momente - oder nur Effizienz?
  • Habe ich gelernt, wie die anderen wirklich denken?

Optional: Teilen Wer möchte, teilt eine Beobachtung.

Warum wichtig: Meetings sind nicht nur für Entscheidungen. Sie sind für Beziehung.

KI optimiert Entscheidungen. Aber kann sie Beziehung?

Die drei Ebenen von Meeting-Qualität

Ebene 1: Output (KI ist gut darin)

  • Fakten festhalten
  • Entscheidungen dokumentieren
  • Action Items verteilen

→ KI macht das besser als Menschen

Ebene 2: Prozess (KI ist okay darin)

  • Struktur halten
  • Zeit managen
  • Rederecht verteilen

→ KI kann unterstützen, aber nicht ersetzen

Ebene 3: Feld (KI kann das nicht)

  • Vertrauen aufbauen
  • Konflikte transformieren
  • Neues emergieren lassen
  • Gemeinsam denken (nicht nur reden)

→ Hier braucht es Menschen. Präsente Menschen.

Die Gefahr: Wir optimieren Ebene 1 und 2. Und merken nicht, dass Ebene 3 stirbt.

Wann KI im Meeting - wann nicht?

KI ist sinnvoll bei:

  • Routine-Meetings mit klarer Agenda
  • Großen Gruppen (Überblick behalten)
  • Dokumentations-Meetings
  • Projekt-Status-Updates

KI ist problematisch bei:

  • Konflikt-Klärungen
  • Strategischen Visionsrunden
  • Team-Building-Momenten
  • Kreativen Brainstormings
  • Vertrauenssensiblen Gesprächen

Die Frage ist nicht: “Kann KI das?”

Sondern: “Was verlieren wir, wenn KI dabei ist?”

Praxis-Experiment

4-Wochen-Test:

Woche 1-2: Mit KI

  • Alle Meetings mit KI-Transkription
  • Nutzt dieses Reflexions-Tool nach jedem Meeting
  • Dokumentiert: Was fällt auf?

Woche 3-4: Ohne KI

  • Keine Transkription
  • Einer schreibt klassisch mit (Stift, Papier)
  • Nutzt dasselbe Reflexions-Tool
  • Dokumentiert: Was ist anders?

Nach 4 Wochen:

  • Was habt ihr gelernt?
  • Wo ist KI hilfreich?
  • Wo schadet sie?
  • Wie geht ihr jetzt bewusst damit um?

Integration

Entwickelt eure eigene Meeting-Kultur mit KI:

  1. In welchen Meeting-Typen nutzen wir KI?

  2. In welchen nicht?

  3. Was ist unser Präsenz-Commitment? (z.B.: “Auch mit KI bleiben wir präsent und ergänzen das Ungesagte”)

  4. Wie checken wir regelmäßig? (z.B.: Monatliche Reflexion über Meeting-Qualität)

Diese Kultur entwickelt sich. Aber nur, wenn ihr bewusst hinschaut.