KI im Meeting-Raum: Reflexions-Tool
Werkzeuge für bewusste KI-Integration in Teams
Wofür?
Meetings mit KI-Unterstützung (Transkription, Zusammenfassung, Aktionspunkte) sind praktisch. Aber: Was verlieren wir dabei? Dieses Tool hilft, das zu reflektieren.
Die neue Meeting-Realität
Typisches Setup:
- KI transkribiert mit
- Erstellt Zusammenfassung
- Extrahiert Action Items
- Verteilt Protokoll
Klingt effizient. Ist es auch. Aber:
Was passiert mit:
- Dem Ungesagten?
- Der Energie im Raum?
- Den subtilen Spannungen?
- Dem, was zwischen den Zeilen liegt?
Der Check: Nach jedem KI-assistierten Meeting
1. Präsenz-Check
Frage an jede Person (kurze Runde, 1 Min pro Person):
“Warst du wirklich da - oder schon im Protokoll?”
Was damit gemeint ist:
- Hast du gesagt, was du sagen wolltest?
- Oder hast du gesagt, was gut protokolliert aussieht?
- Warst du präsent im Moment?
- Oder schon beim “Was kommt in die Zusammenfassung”?
Warum wichtig: KI verändert, wie wir sprechen. Wir werden “protokollierbarer”. Das ist gefährlich.
2. Vollständigkeits-Check
Gemeinsame Reflexion (5 Min):
Lest die KI-Zusammenfassung.
Dann fragt:
“Was fehlt?”
- Welche wichtigen Momente sind nicht drin?
- Welche Zwischentöne?
- Welche Konflikte wurden geglättet?
- Was war spürbar, aber nicht sagbar?
Ergänzt das Protokoll: Nicht mit Fakten, sondern mit: “Wichtig war auch…” “Zwischen uns stand…” “Ungeklärt blieb…”
Warum wichtig: KI fasst zusammen, was gesagt wurde. Nicht was gemeint war.
3. Entscheidungs-Check
Für jede getroffene Entscheidung:
□ Wurde sie wirklich getroffen? (Oder nur so getan, um weiterzumachen?)
□ Trägt sie das ganze Team? (Oder gibt es Vorbehalte, die nicht ausgesprochen wurden?)
□ Ist die Begründung vollständig im Protokoll? (Oder würde jemand, der nicht dabei war, sie missverstehen?)
Wenn Nein: Jetzt klären. Nicht später.
Warum wichtig: KI gibt uns das Gefühl von Klarheit. Auch wenn keine da ist.
4. Action-Items-Check
Die KI hat Action Items erstellt.
Für jedes:
□ Ist klar, wer verantwortlich ist? (Nicht nur “zuständig”, sondern wirklich verantwortlich)
□ Ist der Kontext klar? (Würde die Person es so machen, wie gemeint?)
□ Wurde das Commitment gegeben? (Oder nur registriert?)
Kritischer Punkt: KI extrahiert “Wer macht was bis wann”. Aber nicht: “Will die Person das wirklich?”
Praxis: Kurze Runde: “Sagt zu jedem eurer Action Items: Ich übernehme das. Oder: Ich brauche noch Klärung.”
Warum wichtig: Verpflichtungen ohne Commitment sind wertlos.
5. Beziehungs-Check
Stille Runde (jede*r für sich, 1-2 Min):
Frage dich:
- Wie fühle ich mich nach diesem Meeting?
- Sind wir näher oder distanzierter?
- Gab es echte Momente - oder nur Effizienz?
- Habe ich gelernt, wie die anderen wirklich denken?
Optional: Teilen Wer möchte, teilt eine Beobachtung.
Warum wichtig: Meetings sind nicht nur für Entscheidungen. Sie sind für Beziehung.
KI optimiert Entscheidungen. Aber kann sie Beziehung?
Die drei Ebenen von Meeting-Qualität
Ebene 1: Output (KI ist gut darin)
- Fakten festhalten
- Entscheidungen dokumentieren
- Action Items verteilen
→ KI macht das besser als Menschen
Ebene 2: Prozess (KI ist okay darin)
- Struktur halten
- Zeit managen
- Rederecht verteilen
→ KI kann unterstützen, aber nicht ersetzen
Ebene 3: Feld (KI kann das nicht)
- Vertrauen aufbauen
- Konflikte transformieren
- Neues emergieren lassen
- Gemeinsam denken (nicht nur reden)
→ Hier braucht es Menschen. Präsente Menschen.
Die Gefahr: Wir optimieren Ebene 1 und 2. Und merken nicht, dass Ebene 3 stirbt.
Wann KI im Meeting - wann nicht?
KI ist sinnvoll bei:
- Routine-Meetings mit klarer Agenda
- Großen Gruppen (Überblick behalten)
- Dokumentations-Meetings
- Projekt-Status-Updates
KI ist problematisch bei:
- Konflikt-Klärungen
- Strategischen Visionsrunden
- Team-Building-Momenten
- Kreativen Brainstormings
- Vertrauenssensiblen Gesprächen
Die Frage ist nicht: “Kann KI das?”
Sondern: “Was verlieren wir, wenn KI dabei ist?”
Praxis-Experiment
4-Wochen-Test:
Woche 1-2: Mit KI
- Alle Meetings mit KI-Transkription
- Nutzt dieses Reflexions-Tool nach jedem Meeting
- Dokumentiert: Was fällt auf?
Woche 3-4: Ohne KI
- Keine Transkription
- Einer schreibt klassisch mit (Stift, Papier)
- Nutzt dasselbe Reflexions-Tool
- Dokumentiert: Was ist anders?
Nach 4 Wochen:
- Was habt ihr gelernt?
- Wo ist KI hilfreich?
- Wo schadet sie?
- Wie geht ihr jetzt bewusst damit um?
Integration
Entwickelt eure eigene Meeting-Kultur mit KI:
-
In welchen Meeting-Typen nutzen wir KI?
- …
- …
-
In welchen nicht?
- …
- …
-
Was ist unser Präsenz-Commitment? (z.B.: “Auch mit KI bleiben wir präsent und ergänzen das Ungesagte”)
-
Wie checken wir regelmäßig? (z.B.: Monatliche Reflexion über Meeting-Qualität)
Diese Kultur entwickelt sich. Aber nur, wenn ihr bewusst hinschaut.