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Prompt-Kultur in Teams entwickeln

Werkzeuge für bewusste KI-Integration in Teams

10-15 Minuten Praxis

Wofür?

Wie Teams KI prompten, zeigt ihre Kultur. Dieses Tool hilft, bewusste Prompt-Kultur zu entwickeln - als Lernprozess, nicht als Regel-Katalog.

Das Problem

Typische Situation: Jede*r promptet anders. Manche gut, manche mechanisch. Ergebnisse sind inkonsistent. Niemand weiß, was funktioniert.

Das eigentliche Problem: Prompts spiegeln Bewusstsein. Schlechte Prompts = unbewusste Nutzung.

Die Chance: Wenn ihr lernt, bewusst zu prompten, lernt ihr bewusst zu denken.

Die drei Prompt-Level

LEVEL 1: Mechanisches Prompten

Klingt so:

  • “Schreib mir einen Text über X”
  • “Fass das zusammen”
  • “Mach das kürzer”
  • “Gib mir 10 Ideen zu Y”

Was passiert:

  • Generische Outputs
  • Keine Nuancen
  • KI rät, was du willst
  • Viel Nacharbeit nötig

Warum Level 1: Kein Kontext, keine Intention, kein Bewusstsein.

LEVEL 2: Strategisches Prompten

Klingt so:

  • “Schreib einen Text über X für Zielgruppe Y im Ton Z”
  • “Fass das in 3 Schlüsselpunkten zusammen, Fokus auf praktische Implikationen”
  • “Kürze das auf 200 Wörter, behalte aber die emotionale Tiefe”
  • “Gib mir 10 Ideen zu Y, die außerhalb des Üblichen liegen”

Was passiert:

  • Bessere Outputs
  • Mehr Relevanz
  • Weniger Nacharbeit
  • Aber: Immer noch “KI als Tool”

Warum Level 2: Kontext + Intention. Aber noch kein Dialog.

LEVEL 3: Ko-Kreatives Prompten

Klingt so:

  • “Ich schreibe über X für Y. Mein Gefühl ist, dass Z wichtig ist, aber ich finde den Zugang nicht. Hilf mir, die Frage neu zu stellen.”
  • “Hier ist mein Entwurf. Was fällt dir auf, das ich vielleicht übersehe?”
  • “Ich bin unsicher zwischen Ansatz A und B. Spiegle mir, was die impliziten Annahmen hinter beiden sind.”
  • “Wir diskutieren Y im Team und kommen nicht weiter. Was sind blinde Flecken, die solche Situationen oft haben?”

Was passiert:

  • Unerwartete Perspektiven
  • Tieferes Denken
  • KI als Sparringspartner
  • Echte Ko-Kreation

Warum Level 3: Dialog statt Delegation. Bewusstsein statt Mechanismus.

Team-Übung: Prompt-Review

Setup: 60-90 Minuten, ganzes Team

Phase 1: Sammeln (10 Min)

Jede*r bringt 2-3 eigene Prompts mit, die sie in der letzten Woche genutzt haben.

Kopiert sie in ein gemeinsames Dokument (anonym oder mit Namen, je nach Vertrauen).

Phase 2: Kategorisieren (15 Min)

Schaut gemeinsam:

  • Welche sind Level 1?
  • Welche Level 2?
  • Welche Level 3?

Wichtig: Keine Bewertung. Nur Beobachtung.

Phase 3: Analysieren (20 Min)

Für 3-4 ausgewählte Prompts:

Fragen:

  1. Was ist die implizite Haltung? (Delegieren? Verstehen? Ko-Kreieren?)
  2. Welche Informationen fehlen der KI?
  3. Was würde den Prompt auf das nächste Level bringen?

Gemeinsam umformulieren.

Beispiel:

Level 1: “Schreib einen Newsletter über unser neues Produkt”

Level 2: “Schreib einen Newsletter über unser neues Produkt X für B2B-Kunden im Tech-Bereich. Ton: professionell aber zugänglich. Länge: 300 Wörter. Fokus auf praktischen Nutzen.”

Level 3: “Wir launchen Produkt X für B2B-Tech-Kunden. Ich will einen Newsletter schreiben, der nicht nur Features listet, sondern zeigt, wie es ihre Arbeit verändert. Mein Problem: Ich hänge in Feature-Sprache fest. Hilf mir, die Perspektive zu shiften. Was wären Fragen, die der Kunde wirklich hat?”

Phase 4: Muster erkennen (15 Min)

Gemeinsam reflektieren:

  • Wo sind wir als Team stark?
  • Wo mechanisch?
  • Was könnten wir voneinander lernen?
  • Welche impliziten Annahmen haben wir über KI?

Phase 5: Prinzipien entwickeln (20 Min)

Entwickelt 5-7 Team-Prinzipien für bewusstes Prompten.

Beispiele:

  1. “Wir geben immer Kontext, nie nur Anweisung”
  2. “Wir nutzen KI zum Denken, nicht nur zum Produzieren”
  3. “Wir teilen gute Prompts im Team”
  4. “Wir markieren KI-Output als solchen”
  5. “Wir fragen nach Perspektiven, nicht nur nach Antworten”

Nicht zu viele. Lieber wenige, die wirklich leben.

Die Prompt-Bibliothek

Gemeinsames Team-Tool:

Setup

Erstellt eine lebendige Sammlung:

  • Kontext: Für was ist der Prompt?
  • Prompt: Der Text (als Template)
  • Level: 1, 2 oder 3
  • Learning: Was hat gut funktioniert? Was nicht?
  • Wer: Wer hat ihn entwickelt/genutzt?

Kategorien

Nach Use Case:

  • Texte schreiben
  • Recherche
  • Strategieentwicklung
  • Code
  • Meeting-Vorbereitung
  • Brainstorming
  • Problemlösung

Nach Level:

  • Einstieg (Level 1-2)
  • Fortgeschritten (Level 2-3)
  • Ko-Kreativ (Level 3)

Lebendiges Dokument

  • Wöchentlich: Beste neue Prompts hinzufügen
  • Monatlich: Review - was funktioniert noch, was nicht mehr?
  • Lernen teilen: “Diese Woche habe ich gelernt…”

Wichtig: Keine Pflicht. Keine Bürokratie. Sondern Lernraum.

Prompt-Patterns für häufige Situationen

1. Wenn du unsicher bist

Statt: “Sag mir, was ich tun soll”

Besser: “Ich bin unsicher zwischen X und Y. Was sind die impliziten Annahmen hinter beiden Optionen? Welche Fragen habe ich vielleicht noch nicht gestellt?“

2. Wenn du kreativ feststeckst

Statt: “Gib mir Ideen”

Besser: “Ich arbeite an X und hänge in diesem Denkmuster fest: [beschreiben]. Hilf mir, die Perspektive zu shiften. Was wären völlig andere Zugänge?“

3. Wenn du Feedback brauchst

Statt: “Ist das gut?”

Besser: “Hier ist mein Entwurf. Ich will, dass er Y bewirkt bei Zielgruppe Z. Was könnte meine Intention unterlaufen? Wo widerspreche ich mir vielleicht?“

4. Wenn du etwas verstehen willst

Statt: “Erkläre mir X”

Besser: “Ich verstehe X auf dieser Ebene: [kurz erklären]. Was übersehe ich wahrscheinlich? Welche Nuancen sind wichtig, die ich vielleicht nicht kenne?“

5. Wenn Teams feststecken

Statt: “Wie lösen wir Problem X?”

Besser: “Wir diskutieren seit Wochen über X und kommen nicht weiter. Hier sind die Hauptpositionen: [kurz skizzieren]. Was sind typische blinde Flecken in solchen Situationen? Welche Fragen stellen wir vielleicht nicht?”

Warnung vor Prompt-Engineering-Fetisch

Es geht nicht darum, den “perfekten Prompt” zu finden.

Es geht darum:

  • Bewusster zu denken
  • Klarer zu fragen
  • Offener zu erkunden

Der beste Prompt ist nicht der technisch optimierte. Sondern der, der dich entwickelt.

Integration

Nach diesem Tool:

Als Team:

  1. Wann machen wir die Prompt-Review? (Regelmäßig, z.B. monatlich)

  2. Wo sammeln wir Prompts? (Notion, Confluence, Shared Doc?)

  3. Wer kuratiert? (Freiwillige? Rotating?)

  4. Wie teilen wir Learnings? (Slack-Channel? Weekly?)

Als Individuum:

  1. Auf welchem Level bin ich meist? (Ehrlich einschätzen)

  2. Was würde mich auf das nächste Level bringen? (Konkreter Schritt)

  3. Von wem im Team kann ich lernen? (Fragen stellen)

Das ist kein “Prozess”. Das ist Kultur-Entwicklung.