Prompt-Kultur in Teams entwickeln
Werkzeuge für bewusste KI-Integration in Teams
Wofür?
Wie Teams KI prompten, zeigt ihre Kultur. Dieses Tool hilft, bewusste Prompt-Kultur zu entwickeln - als Lernprozess, nicht als Regel-Katalog.
Das Problem
Typische Situation: Jede*r promptet anders. Manche gut, manche mechanisch. Ergebnisse sind inkonsistent. Niemand weiß, was funktioniert.
Das eigentliche Problem: Prompts spiegeln Bewusstsein. Schlechte Prompts = unbewusste Nutzung.
Die Chance: Wenn ihr lernt, bewusst zu prompten, lernt ihr bewusst zu denken.
Die drei Prompt-Level
LEVEL 1: Mechanisches Prompten
Klingt so:
- “Schreib mir einen Text über X”
- “Fass das zusammen”
- “Mach das kürzer”
- “Gib mir 10 Ideen zu Y”
Was passiert:
- Generische Outputs
- Keine Nuancen
- KI rät, was du willst
- Viel Nacharbeit nötig
Warum Level 1: Kein Kontext, keine Intention, kein Bewusstsein.
LEVEL 2: Strategisches Prompten
Klingt so:
- “Schreib einen Text über X für Zielgruppe Y im Ton Z”
- “Fass das in 3 Schlüsselpunkten zusammen, Fokus auf praktische Implikationen”
- “Kürze das auf 200 Wörter, behalte aber die emotionale Tiefe”
- “Gib mir 10 Ideen zu Y, die außerhalb des Üblichen liegen”
Was passiert:
- Bessere Outputs
- Mehr Relevanz
- Weniger Nacharbeit
- Aber: Immer noch “KI als Tool”
Warum Level 2: Kontext + Intention. Aber noch kein Dialog.
LEVEL 3: Ko-Kreatives Prompten
Klingt so:
- “Ich schreibe über X für Y. Mein Gefühl ist, dass Z wichtig ist, aber ich finde den Zugang nicht. Hilf mir, die Frage neu zu stellen.”
- “Hier ist mein Entwurf. Was fällt dir auf, das ich vielleicht übersehe?”
- “Ich bin unsicher zwischen Ansatz A und B. Spiegle mir, was die impliziten Annahmen hinter beiden sind.”
- “Wir diskutieren Y im Team und kommen nicht weiter. Was sind blinde Flecken, die solche Situationen oft haben?”
Was passiert:
- Unerwartete Perspektiven
- Tieferes Denken
- KI als Sparringspartner
- Echte Ko-Kreation
Warum Level 3: Dialog statt Delegation. Bewusstsein statt Mechanismus.
Team-Übung: Prompt-Review
Setup: 60-90 Minuten, ganzes Team
Phase 1: Sammeln (10 Min)
Jede*r bringt 2-3 eigene Prompts mit, die sie in der letzten Woche genutzt haben.
Kopiert sie in ein gemeinsames Dokument (anonym oder mit Namen, je nach Vertrauen).
Phase 2: Kategorisieren (15 Min)
Schaut gemeinsam:
- Welche sind Level 1?
- Welche Level 2?
- Welche Level 3?
Wichtig: Keine Bewertung. Nur Beobachtung.
Phase 3: Analysieren (20 Min)
Für 3-4 ausgewählte Prompts:
Fragen:
- Was ist die implizite Haltung? (Delegieren? Verstehen? Ko-Kreieren?)
- Welche Informationen fehlen der KI?
- Was würde den Prompt auf das nächste Level bringen?
Gemeinsam umformulieren.
Beispiel:
Level 1: “Schreib einen Newsletter über unser neues Produkt”
Level 2: “Schreib einen Newsletter über unser neues Produkt X für B2B-Kunden im Tech-Bereich. Ton: professionell aber zugänglich. Länge: 300 Wörter. Fokus auf praktischen Nutzen.”
Level 3: “Wir launchen Produkt X für B2B-Tech-Kunden. Ich will einen Newsletter schreiben, der nicht nur Features listet, sondern zeigt, wie es ihre Arbeit verändert. Mein Problem: Ich hänge in Feature-Sprache fest. Hilf mir, die Perspektive zu shiften. Was wären Fragen, die der Kunde wirklich hat?”
Phase 4: Muster erkennen (15 Min)
Gemeinsam reflektieren:
- Wo sind wir als Team stark?
- Wo mechanisch?
- Was könnten wir voneinander lernen?
- Welche impliziten Annahmen haben wir über KI?
Phase 5: Prinzipien entwickeln (20 Min)
Entwickelt 5-7 Team-Prinzipien für bewusstes Prompten.
Beispiele:
- “Wir geben immer Kontext, nie nur Anweisung”
- “Wir nutzen KI zum Denken, nicht nur zum Produzieren”
- “Wir teilen gute Prompts im Team”
- “Wir markieren KI-Output als solchen”
- “Wir fragen nach Perspektiven, nicht nur nach Antworten”
Nicht zu viele. Lieber wenige, die wirklich leben.
Die Prompt-Bibliothek
Gemeinsames Team-Tool:
Setup
Erstellt eine lebendige Sammlung:
- Kontext: Für was ist der Prompt?
- Prompt: Der Text (als Template)
- Level: 1, 2 oder 3
- Learning: Was hat gut funktioniert? Was nicht?
- Wer: Wer hat ihn entwickelt/genutzt?
Kategorien
Nach Use Case:
- Texte schreiben
- Recherche
- Strategieentwicklung
- Code
- Meeting-Vorbereitung
- Brainstorming
- Problemlösung
Nach Level:
- Einstieg (Level 1-2)
- Fortgeschritten (Level 2-3)
- Ko-Kreativ (Level 3)
Lebendiges Dokument
- Wöchentlich: Beste neue Prompts hinzufügen
- Monatlich: Review - was funktioniert noch, was nicht mehr?
- Lernen teilen: “Diese Woche habe ich gelernt…”
Wichtig: Keine Pflicht. Keine Bürokratie. Sondern Lernraum.
Prompt-Patterns für häufige Situationen
1. Wenn du unsicher bist
Statt: “Sag mir, was ich tun soll”
Besser: “Ich bin unsicher zwischen X und Y. Was sind die impliziten Annahmen hinter beiden Optionen? Welche Fragen habe ich vielleicht noch nicht gestellt?“
2. Wenn du kreativ feststeckst
Statt: “Gib mir Ideen”
Besser: “Ich arbeite an X und hänge in diesem Denkmuster fest: [beschreiben]. Hilf mir, die Perspektive zu shiften. Was wären völlig andere Zugänge?“
3. Wenn du Feedback brauchst
Statt: “Ist das gut?”
Besser: “Hier ist mein Entwurf. Ich will, dass er Y bewirkt bei Zielgruppe Z. Was könnte meine Intention unterlaufen? Wo widerspreche ich mir vielleicht?“
4. Wenn du etwas verstehen willst
Statt: “Erkläre mir X”
Besser: “Ich verstehe X auf dieser Ebene: [kurz erklären]. Was übersehe ich wahrscheinlich? Welche Nuancen sind wichtig, die ich vielleicht nicht kenne?“
5. Wenn Teams feststecken
Statt: “Wie lösen wir Problem X?”
Besser: “Wir diskutieren seit Wochen über X und kommen nicht weiter. Hier sind die Hauptpositionen: [kurz skizzieren]. Was sind typische blinde Flecken in solchen Situationen? Welche Fragen stellen wir vielleicht nicht?”
Warnung vor Prompt-Engineering-Fetisch
Es geht nicht darum, den “perfekten Prompt” zu finden.
Es geht darum:
- Bewusster zu denken
- Klarer zu fragen
- Offener zu erkunden
Der beste Prompt ist nicht der technisch optimierte. Sondern der, der dich entwickelt.
Integration
Nach diesem Tool:
Als Team:
-
Wann machen wir die Prompt-Review? (Regelmäßig, z.B. monatlich)
-
Wo sammeln wir Prompts? (Notion, Confluence, Shared Doc?)
-
Wer kuratiert? (Freiwillige? Rotating?)
-
Wie teilen wir Learnings? (Slack-Channel? Weekly?)
Als Individuum:
-
Auf welchem Level bin ich meist? (Ehrlich einschätzen)
-
Was würde mich auf das nächste Level bringen? (Konkreter Schritt)
-
Von wem im Team kann ich lernen? (Fragen stellen)
Das ist kein “Prozess”. Das ist Kultur-Entwicklung.