KI-Onboarding für neue Mitarbeiter*innen
Werkzeuge für bewusste KI-Integration in Teams
Wofür?
Wie ihr neue Menschen in eure KI-Praxis einführt, zeigt eure Kultur. Dieses Tool hilft, ein Onboarding zu gestalten, das bewusst macht statt überwältigt.
Das Problem
Typisches Szenario:
Tag 1: “Hier sind unsere Tools” Tag 2: “Nutze KI für XYZ” Tag 3: Person ist überfordert oder macht’s mechanisch
Resultat:
- Keine echte Integration
- Person kopiert andere (ohne Verständnis)
- Fehler passieren
- Oder: Person nutzt KI gar nicht (aus Unsicherheit)
Das Prinzip
Onboarding ist nicht: “Hier sind die Tools, viel Erfolg”
Sondern: “Hier ist unsere Praxis. Lass uns zusammen erkunden.”
Dauer: Minimum 4 Wochen (nicht 1 Tag)
Die 4-Wochen-Struktur
WOCHE 1: Orientierung
Ziel: Verstehen, nicht nutzen
WOCHE 2: Experimente
Ziel: Ausprobieren in sicherem Raum
WOCHE 3: Integration
Ziel: In echte Arbeit einbinden
WOCHE 4: Autonomie
Ziel: Eigene Praxis entwickeln
WOCHE 1: Orientierung
Tag 1: Kultur vor Tools
Session: 60 Min (mit Buddy oder Team)
Nicht: “So funktioniert ChatGPT”
Sondern:
1. Unsere Philosophie (20 Min)
“Warum nutzen wir KI?”
Erklärt eure Intention:
- Für mehr Zeit für Wichtiges?
- Für Kreativität?
- Für Effizienz UND Bewusstsein?
“Was ist uns wichtig dabei?”
Teilt eure Werte:
- Qualität über Quantität
- Transparenz
- Menschen vor Maschinen
- Lernen vor Perfektion
“Was machen wir NICHT?”
Klare Grenzen:
- Wir nutzen KI nicht für…
- Wir delegieren nicht…
- Wir akzeptieren nicht…
2. Unsere Fehlerkultur (15 Min)
“Fehler sind okay. Schweigen nicht.”
Teilt:
- Ein Fehler, der passiert ist
- Was ihr gelernt habt
- Wie ihr jetzt damit umgeht
“Wenn du unsicher bist: frag.”
Macht klar:
- Es gibt keine dummen Fragen
- Lieber 2x fragen als 1x falsch machen
- Wir unterstützen dich
3. Deine Rolle (15 Min)
“In deiner Position nutzen wir KI für…”
Konkret zeigen:
- 3-5 typische Use Cases
- Wie andere das machen
- Was gut funktioniert
“Was erwartet wird:”
Klar kommunizieren:
- Welche Qualität?
- Welche Transparenz?
- Welche Autonomie?
4. Deine Fragen (10 Min)
Raum geben. Wirklich zuhören.
Tag 2-5: Beobachten & Verstehen
Keine eigene Nutzung yet.
Aufgaben:
1. Shadowing (2-3 Std verteilt)
Person schaut anderen über die Schulter:
- Wie prompten sie?
- Wie überarbeiten sie?
- Wie entscheiden sie?
Danach: Kurzes Gespräch (15 Min)
- Was hast du beobachtet?
- Was war überraschend?
- Was ist unklar?
2. Dokumentation lesen (1-2 Std)
- Eure Policies
- Eure Best Practices
- Eure Fehler-Taxonomie (falls vorhanden)
Nicht: Auswendig lernen
Sondern: Verstehen, warum
3. Erste Reflexion (30 Min, alleine)
Fragen:
“Was sind meine Vorerfahrungen mit KI?” (Ehrlich)
“Was ist meine Haltung?”
- Neugierig?
- Skeptisch?
- Ängstlich?
- Überzeugt?
“Was will ich lernen?” (3-5 konkrete Dinge)
Teilen mit Buddy am Ende der Woche.
WOCHE 2: Experimente
Ziel: Ausprobieren ohne Druck
Setup: Geschützter Raum
Neue Person arbeitet an:
- Nicht-kritischen Aufgaben
- Mit Review durch erfahrene Person
- Fehler sind explizit erlaubt
Experiment 1: Eigener Use Case (Tag 1-2)
Aufgabe:
“Wähle eine einfache Aufgabe, die du mit KI machen könntest.”
Beispiele:
- Zusammenfassung eines Dokuments
- Erste Version eines Textes
- Recherche zu einem Thema
- Code-Snippet generieren
Wichtig:
- Nicht zu komplex
- Nicht zeitkritisch
- Mit Review
Ablauf:
- Mach es (alleine)
- Dokumentiere (Was hast du geprompt? Was kam raus?)
- Reflektiere (Was war gut? Was nicht?)
- Review mit Buddy (30 Min)
Experiment 2: Vergleich (Tag 3)
Aufgabe:
“Mach dieselbe Aufgabe nochmal - aber anders.”
- Anderer Prompt
- Anderes Tool
- Andere Herangehensweise
Ziel:
Verstehen, dass es viele Wege gibt.
Reflexion:
- Was war der Unterschied?
- Was hat besser funktioniert?
- Warum?
Experiment 3: Qualitäts-Check (Tag 4-5)
Aufgabe:
“Nimm einen KI-Output und verbessere ihn.”
Entweder:
- Eigener Output von Experiment 1
- Oder: Output von jemand anderem (anonymisiert)
Fokus:
- Was fehlt?
- Was klingt generisch?
- Wie machst du es “deins”?
Review mit Buddy:
- Was hast du verändert?
- Warum?
- Was hast du über Qualität gelernt?
Ende Woche 2: Check-in (45 Min)
Mit Buddy oder Führungskraft:
Fragen:
“Wie fühlst du dich mit KI bisher?”
- Sicher? Unsicher?
- Neugierig? Überwältigt?
“Was läuft gut?”
“Wo brauchst du noch Unterstützung?”
“Bist du bereit für echte Aufgaben?”
- Wenn ja: Weiter zu Woche 3
- Wenn nein: Mehr Zeit in Woche 2
Kein Druck.
WOCHE 3: Integration
Ziel: KI in echte Arbeit einbinden
Setup:
- Person bekommt echte Aufgaben (nicht mehr nur Übungen)
- Aber: Mit Backup (jemand checkt mit)
- Iterative Feedback-Schleifen
Tag 1-3: Erste echte Aufgabe
Aufgabe:
Eine realistische Aufgabe mit KI lösen.
Aber:
1. Klare Erwartungen
- Was ist das Ziel?
- Welche Qualität?
- Wer checkt am Ende?
2. Begleitung
- Person macht selbstständig
- Aber: Buddy ist erreichbar bei Fragen
- Tägliches kurzes Check-in (10 Min)
3. Review nach Fertigstellung
- Gemeinsam Output ansehen
- Was ist gut?
- Was könnte besser sein?
- Wie würdest du es nächstes Mal machen?
Tag 4-5: Zweite Aufgabe (mehr Autonomie)
Aufgabe:
Noch eine Aufgabe, aber:
- Komplexer
- Weniger Begleitung
- Mehr Eigenverantwortung
Check-in nur am Ende.
Reflexion:
- Fühlst du dich sicherer?
- Was ist noch unklar?
- Brauchst du was?
Ende Woche 3: Selbsteinschätzung (30 Min)
Person füllt aus:
KI-Kompetenz-Check:
“Ich kann…”
□ …sinnvolle Prompts schreiben (1-5) □ …KI-Output kritisch bewerten (1-5) □ …erkennen, wann KI passt und wann nicht (1-5) □ …KI-Output auf unsere Qualität bringen (1-5) □ …Fehler erkennen und korrigieren (1-5) □ …unsere Policies einhalten (1-5) □ …bei Unsicherheit um Hilfe fragen (1-5)
Skala: 1 = gar nicht, 5 = sicher
Besprechen mit Buddy:
- Wo fühlst du dich stark?
- Wo brauchst du noch Support?
- Was ist der nächste Entwicklungsschritt?
WOCHE 4: Autonomie
Ziel: Eigene Praxis entwickeln
Setup:
Person arbeitet selbstständig, aber:
- Wöchentlicher Check-in bleibt
- Teil von Fehler-Sharing (wenn vorhanden)
- Zugang zu Team bei Fragen
Tag 1-5: Eigene Praxis finden
Aufgabe:
“Entwickle deinen eigenen KI-Workflow.”
Fragen:
“Für welche Aufgaben nutze ich KI?” (3-5 Core Use Cases)
“Wie prompte ich am besten?” (Eigener Stil)
“Wie überarbeite ich?” (Eigene Methode)
“Wann nutze ich KI nicht?” (Grenzen ziehen)
“Was ist meine Qualitäts-Definition?” (Standards setzen)
Dokumentieren:
Erstelle deinen persönlichen “KI-Workflow-Guide”:
- Meine Top Use Cases
- Meine Best Prompts
- Meine Checklisten
- Meine Learnings
Teilen mit Team:
- Vielleicht lernen andere auch was
Ende Woche 4: Abschluss-Gespräch (60 Min)
Mit Führungskraft und/oder Buddy:
Teil 1: Rückblick (20 Min)
“Was hast du in 4 Wochen gelernt?”
“Was war hilfreich?”
“Was hättest du dir anders gewünscht?” (Für zukünftige Onboardings)
Teil 2: Vorausschau (20 Min)
“Wie siehst du deine KI-Nutzung in 3 Monaten?”
“Was willst du noch lernen?”
“Wo brauchst du weiterhin Support?”
Teil 3: Feedback ans System (20 Min)
“Was würdest du am Onboarding ändern?” (Konkrete Vorschläge)
“Was fehlt in unserer KI-Kultur?” (Aus Neulings-Perspektive oft klarer sichtbar)
MATERIALIEN FÜR ONBOARDING
1. Onboarding-Checklist
WOCHE 1: ORIENTIERUNG
□ Kultur-Session absolviert
□ Shadowing gemacht (mind. 2 Personen)
□ Dokumentation gelesen
□ Erste Reflexion geteilt
WOCHE 2: EXPERIMENTE
□ Experiment 1: Eigener Use Case
□ Experiment 2: Vergleich
□ Experiment 3: Qualitäts-Check
□ Check-in mit Buddy
WOCHE 3: INTEGRATION
□ Erste echte Aufgabe mit Review
□ Zweite Aufgabe mit mehr Autonomie
□ Selbsteinschätzung ausgefüllt
WOCHE 4: AUTONOMIE
□ Eigenen Workflow entwickelt
□ Workflow dokumentiert
□ Abschluss-Gespräch
ONGOING:
□ Teil von Fehler-Sharing
□ Zugang zu Community/Team
□ Regelmäßige Check-ins (monatlich)
2. Buddy-Guide
Für die Person, die das Onboarding begleitet:
Deine Rolle:
□ Ansprechperson (bei Fragen/Unsicherheit) □ Vorbild (zeige, wie’s geht) □ Coach (nicht Lehrer) □ Sicherheitsnetz (fang Fehler ab)
Dein Zeitinvest:
- Woche 1: ~3 Std (Setup + Sessions)
- Woche 2: ~2 Std (Reviews + Check-in)
- Woche 3: ~1,5 Std (Check-ins + Review)
- Woche 4: ~1 Std (Abschluss)
Total: ~7,5 Std über 4 Wochen
Tipps:
- Sei geduldig (jeder lernt anders)
- Ermutige Fragen (auch “dumme”)
- Teile eigene Fehler (macht’s menschlich)
- Kein Perfektionismus (Entwicklung > Perfektion)
3. FAQ für neue Mitarbeiter*innen
“Darf ich KI für alles nutzen?”
Nein. Hier ist unsere Policies-Übersicht: [Link]
“Was, wenn ich einen Fehler mache?”
Sag sofort Bescheid. Wir finden eine Lösung. Fehler sind Lernquellen.
“Muss ich KI nutzen?”
Wenn es für deine Rolle sinnvoll ist: ja. Aber wie du es nutzt: das entwickelst du.
“Was, wenn ich etwas nicht verstehe?”
Frag deinen Buddy. Frag im Team-Chat. Frag in der Fehler-Sharing-Runde.
“Wie erkenne ich, ob KI-Output gut ist?”
Siehe unsere Qualitäts-Checkliste: [Link] Und: Dein Gefühl. “Würde ich das unterschreiben?”
“Kann ich auch andere KI-Tools nutzen?”
Nur nach Freigabe (wegen Datenschutz). Frag IT/Führungskraft.
ANPASSUNGEN FÜR VERSCHIEDENE ROLLEN
Für technische Rollen (Developer, Data Scientists):
Fokus:
- Code-Generierung
- Debugging mit KI
- Architektur-Diskussionen
- Tests schreiben
Zusätzlich:
- Code Review mit KI
- Pair Programming mit KI
Für kreative Rollen (Designer, Marketer, Writer):
Fokus:
- Ideen-Generierung
- Erste Entwürfe
- Variation
- A/B-Testing
Zusätzlich:
- Wie man “Seele” hinzufügt
- Wie man eigenen Stil bewahrt
Für analytische Rollen (Analysts, Consultants):
Fokus:
- Daten-Analyse
- Research
- Präsentations-Erstellung
- Synthese
Zusätzlich:
- Wie man Quellen prüft
- Wie man KI-Analysen validiert
Für People-facing Rollen (Sales, HR, Support):
Fokus:
- Kommunikation (Emails, Messages)
- Empathie bewahren
- Personalisierung
- Grenzen bei Menschen-Kontakt
Zusätzlich:
- Wann KI NICHT nutzen (echte Beziehung braucht)
- Wie man KI-Support mit menschlicher Note kombiniert
NACH DEM ONBOARDING: ONGOING SUPPORT
Onboarding endet nicht nach 4 Wochen.
Monat 2-3:
Monatliche Check-ins (30 Min)
- Wie läuft’s?
- Was brauchst du?
- Neue Herausforderungen?
Teil von:
- Fehler-Sharing (falls vorhanden)
- Community/Team-Meetings zu KI
- Zugang zu Best Practices
Ab Monat 4:
Eigenständig, aber connected:
- Zugang zu Team bei Fragen
- Teil von Weiterbildung (wenn neue Features)
- Optional: Mentor für nächste neue Person
Integration
Für HR/Führung:
1. Habt ihr ein strukturiertes KI-Onboarding?
- □ Ja, und es funktioniert
- □ Ja, aber verbesserungswürdig
- □ Nein, jeder lernt selbst
2. Wenn nein: Was braucht es?
- Buddy-System aufsetzen?
- Materialien erstellen?
- Prozess definieren?
- Zeit freischaufeln?
3. Wer übernimmt das? (Name + Deadline)
4. Ab wann gilt das neue Onboarding? (Nächste Person? Ab sofort?)
Dann: Umsetzen.
Für aktuelle Mitarbeiter*innen:
Wenn du “damals” kein Onboarding hattest:
Vielleicht jetzt nachholen?
- Buddy finden (jemand, der gut mit KI arbeitet)
- 4-Wochen-Struktur adaptieren (Selbst-Onboarding)
- Team fragen: “Können wir das gemeinsam machen?”
Es ist nie zu spät, bewusst zu werden.