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KI-Onboarding für neue Mitarbeiter*innen

Werkzeuge für bewusste KI-Integration in Teams

30-45 Minuten (für Planung) Praxis

Wofür?

Wie ihr neue Menschen in eure KI-Praxis einführt, zeigt eure Kultur. Dieses Tool hilft, ein Onboarding zu gestalten, das bewusst macht statt überwältigt.

Das Problem

Typisches Szenario:

Tag 1: “Hier sind unsere Tools” Tag 2: “Nutze KI für XYZ” Tag 3: Person ist überfordert oder macht’s mechanisch

Resultat:

  • Keine echte Integration
  • Person kopiert andere (ohne Verständnis)
  • Fehler passieren
  • Oder: Person nutzt KI gar nicht (aus Unsicherheit)

Das Prinzip

Onboarding ist nicht: “Hier sind die Tools, viel Erfolg”

Sondern: “Hier ist unsere Praxis. Lass uns zusammen erkunden.”

Dauer: Minimum 4 Wochen (nicht 1 Tag)

Die 4-Wochen-Struktur

WOCHE 1: Orientierung

Ziel: Verstehen, nicht nutzen

WOCHE 2: Experimente

Ziel: Ausprobieren in sicherem Raum

WOCHE 3: Integration

Ziel: In echte Arbeit einbinden

WOCHE 4: Autonomie

Ziel: Eigene Praxis entwickeln

WOCHE 1: Orientierung

Tag 1: Kultur vor Tools

Session: 60 Min (mit Buddy oder Team)

Nicht: “So funktioniert ChatGPT”

Sondern:

1. Unsere Philosophie (20 Min)

Warum nutzen wir KI?

Erklärt eure Intention:

  • Für mehr Zeit für Wichtiges?
  • Für Kreativität?
  • Für Effizienz UND Bewusstsein?

Was ist uns wichtig dabei?

Teilt eure Werte:

  • Qualität über Quantität
  • Transparenz
  • Menschen vor Maschinen
  • Lernen vor Perfektion

Was machen wir NICHT?

Klare Grenzen:

  • Wir nutzen KI nicht für…
  • Wir delegieren nicht…
  • Wir akzeptieren nicht…

2. Unsere Fehlerkultur (15 Min)

Fehler sind okay. Schweigen nicht.

Teilt:

  • Ein Fehler, der passiert ist
  • Was ihr gelernt habt
  • Wie ihr jetzt damit umgeht

Wenn du unsicher bist: frag.

Macht klar:

  • Es gibt keine dummen Fragen
  • Lieber 2x fragen als 1x falsch machen
  • Wir unterstützen dich

3. Deine Rolle (15 Min)

In deiner Position nutzen wir KI für…

Konkret zeigen:

  • 3-5 typische Use Cases
  • Wie andere das machen
  • Was gut funktioniert

Was erwartet wird:

Klar kommunizieren:

  • Welche Qualität?
  • Welche Transparenz?
  • Welche Autonomie?

4. Deine Fragen (10 Min)

Raum geben. Wirklich zuhören.

Tag 2-5: Beobachten & Verstehen

Keine eigene Nutzung yet.

Aufgaben:

1. Shadowing (2-3 Std verteilt)

Person schaut anderen über die Schulter:

  • Wie prompten sie?
  • Wie überarbeiten sie?
  • Wie entscheiden sie?

Danach: Kurzes Gespräch (15 Min)

  • Was hast du beobachtet?
  • Was war überraschend?
  • Was ist unklar?

2. Dokumentation lesen (1-2 Std)

  • Eure Policies
  • Eure Best Practices
  • Eure Fehler-Taxonomie (falls vorhanden)

Nicht: Auswendig lernen

Sondern: Verstehen, warum

3. Erste Reflexion (30 Min, alleine)

Fragen:

Was sind meine Vorerfahrungen mit KI?” (Ehrlich)

Was ist meine Haltung?

  • Neugierig?
  • Skeptisch?
  • Ängstlich?
  • Überzeugt?

Was will ich lernen?” (3-5 konkrete Dinge)

Teilen mit Buddy am Ende der Woche.

WOCHE 2: Experimente

Ziel: Ausprobieren ohne Druck

Setup: Geschützter Raum

Neue Person arbeitet an:

  • Nicht-kritischen Aufgaben
  • Mit Review durch erfahrene Person
  • Fehler sind explizit erlaubt

Experiment 1: Eigener Use Case (Tag 1-2)

Aufgabe:

Wähle eine einfache Aufgabe, die du mit KI machen könntest.

Beispiele:

  • Zusammenfassung eines Dokuments
  • Erste Version eines Textes
  • Recherche zu einem Thema
  • Code-Snippet generieren

Wichtig:

  • Nicht zu komplex
  • Nicht zeitkritisch
  • Mit Review

Ablauf:

  1. Mach es (alleine)
  2. Dokumentiere (Was hast du geprompt? Was kam raus?)
  3. Reflektiere (Was war gut? Was nicht?)
  4. Review mit Buddy (30 Min)

Experiment 2: Vergleich (Tag 3)

Aufgabe:

Mach dieselbe Aufgabe nochmal - aber anders.

  • Anderer Prompt
  • Anderes Tool
  • Andere Herangehensweise

Ziel:

Verstehen, dass es viele Wege gibt.

Reflexion:

  • Was war der Unterschied?
  • Was hat besser funktioniert?
  • Warum?

Experiment 3: Qualitäts-Check (Tag 4-5)

Aufgabe:

Nimm einen KI-Output und verbessere ihn.

Entweder:

  • Eigener Output von Experiment 1
  • Oder: Output von jemand anderem (anonymisiert)

Fokus:

  • Was fehlt?
  • Was klingt generisch?
  • Wie machst du es “deins”?

Review mit Buddy:

  • Was hast du verändert?
  • Warum?
  • Was hast du über Qualität gelernt?

Ende Woche 2: Check-in (45 Min)

Mit Buddy oder Führungskraft:

Fragen:

Wie fühlst du dich mit KI bisher?

  • Sicher? Unsicher?
  • Neugierig? Überwältigt?

Was läuft gut?

Wo brauchst du noch Unterstützung?

Bist du bereit für echte Aufgaben?

  • Wenn ja: Weiter zu Woche 3
  • Wenn nein: Mehr Zeit in Woche 2

Kein Druck.

WOCHE 3: Integration

Ziel: KI in echte Arbeit einbinden

Setup:

  • Person bekommt echte Aufgaben (nicht mehr nur Übungen)
  • Aber: Mit Backup (jemand checkt mit)
  • Iterative Feedback-Schleifen

Tag 1-3: Erste echte Aufgabe

Aufgabe:

Eine realistische Aufgabe mit KI lösen.

Aber:

1. Klare Erwartungen

  • Was ist das Ziel?
  • Welche Qualität?
  • Wer checkt am Ende?

2. Begleitung

  • Person macht selbstständig
  • Aber: Buddy ist erreichbar bei Fragen
  • Tägliches kurzes Check-in (10 Min)

3. Review nach Fertigstellung

  • Gemeinsam Output ansehen
  • Was ist gut?
  • Was könnte besser sein?
  • Wie würdest du es nächstes Mal machen?

Tag 4-5: Zweite Aufgabe (mehr Autonomie)

Aufgabe:

Noch eine Aufgabe, aber:

  • Komplexer
  • Weniger Begleitung
  • Mehr Eigenverantwortung

Check-in nur am Ende.

Reflexion:

  • Fühlst du dich sicherer?
  • Was ist noch unklar?
  • Brauchst du was?

Ende Woche 3: Selbsteinschätzung (30 Min)

Person füllt aus:

KI-Kompetenz-Check:

Ich kann…

□ …sinnvolle Prompts schreiben (1-5) □ …KI-Output kritisch bewerten (1-5) □ …erkennen, wann KI passt und wann nicht (1-5) □ …KI-Output auf unsere Qualität bringen (1-5) □ …Fehler erkennen und korrigieren (1-5) □ …unsere Policies einhalten (1-5) □ …bei Unsicherheit um Hilfe fragen (1-5)

Skala: 1 = gar nicht, 5 = sicher

Besprechen mit Buddy:

  • Wo fühlst du dich stark?
  • Wo brauchst du noch Support?
  • Was ist der nächste Entwicklungsschritt?

WOCHE 4: Autonomie

Ziel: Eigene Praxis entwickeln

Setup:

Person arbeitet selbstständig, aber:

  • Wöchentlicher Check-in bleibt
  • Teil von Fehler-Sharing (wenn vorhanden)
  • Zugang zu Team bei Fragen

Tag 1-5: Eigene Praxis finden

Aufgabe:

Entwickle deinen eigenen KI-Workflow.

Fragen:

Für welche Aufgaben nutze ich KI?” (3-5 Core Use Cases)

Wie prompte ich am besten?” (Eigener Stil)

Wie überarbeite ich?” (Eigene Methode)

Wann nutze ich KI nicht?” (Grenzen ziehen)

Was ist meine Qualitäts-Definition?” (Standards setzen)

Dokumentieren:

Erstelle deinen persönlichen “KI-Workflow-Guide”:

  • Meine Top Use Cases
  • Meine Best Prompts
  • Meine Checklisten
  • Meine Learnings

Teilen mit Team:

  • Vielleicht lernen andere auch was

Ende Woche 4: Abschluss-Gespräch (60 Min)

Mit Führungskraft und/oder Buddy:

Teil 1: Rückblick (20 Min)

Was hast du in 4 Wochen gelernt?

Was war hilfreich?

Was hättest du dir anders gewünscht?” (Für zukünftige Onboardings)

Teil 2: Vorausschau (20 Min)

Wie siehst du deine KI-Nutzung in 3 Monaten?

Was willst du noch lernen?

Wo brauchst du weiterhin Support?

Teil 3: Feedback ans System (20 Min)

Was würdest du am Onboarding ändern?” (Konkrete Vorschläge)

Was fehlt in unserer KI-Kultur?” (Aus Neulings-Perspektive oft klarer sichtbar)

MATERIALIEN FÜR ONBOARDING

1. Onboarding-Checklist

WOCHE 1: ORIENTIERUNG
□ Kultur-Session absolviert
□ Shadowing gemacht (mind. 2 Personen)
□ Dokumentation gelesen
□ Erste Reflexion geteilt

WOCHE 2: EXPERIMENTE
□ Experiment 1: Eigener Use Case
□ Experiment 2: Vergleich
□ Experiment 3: Qualitäts-Check
□ Check-in mit Buddy

WOCHE 3: INTEGRATION
□ Erste echte Aufgabe mit Review
□ Zweite Aufgabe mit mehr Autonomie
□ Selbsteinschätzung ausgefüllt

WOCHE 4: AUTONOMIE
□ Eigenen Workflow entwickelt
□ Workflow dokumentiert
□ Abschluss-Gespräch

ONGOING:
□ Teil von Fehler-Sharing
□ Zugang zu Community/Team
□ Regelmäßige Check-ins (monatlich)

2. Buddy-Guide

Für die Person, die das Onboarding begleitet:

Deine Rolle:

Ansprechperson (bei Fragen/Unsicherheit) □ Vorbild (zeige, wie’s geht) □ Coach (nicht Lehrer) □ Sicherheitsnetz (fang Fehler ab)

Dein Zeitinvest:

  • Woche 1: ~3 Std (Setup + Sessions)
  • Woche 2: ~2 Std (Reviews + Check-in)
  • Woche 3: ~1,5 Std (Check-ins + Review)
  • Woche 4: ~1 Std (Abschluss)

Total: ~7,5 Std über 4 Wochen

Tipps:

  • Sei geduldig (jeder lernt anders)
  • Ermutige Fragen (auch “dumme”)
  • Teile eigene Fehler (macht’s menschlich)
  • Kein Perfektionismus (Entwicklung > Perfektion)

3. FAQ für neue Mitarbeiter*innen

“Darf ich KI für alles nutzen?”

Nein. Hier ist unsere Policies-Übersicht: [Link]

“Was, wenn ich einen Fehler mache?”

Sag sofort Bescheid. Wir finden eine Lösung. Fehler sind Lernquellen.

“Muss ich KI nutzen?”

Wenn es für deine Rolle sinnvoll ist: ja. Aber wie du es nutzt: das entwickelst du.

“Was, wenn ich etwas nicht verstehe?”

Frag deinen Buddy. Frag im Team-Chat. Frag in der Fehler-Sharing-Runde.

“Wie erkenne ich, ob KI-Output gut ist?”

Siehe unsere Qualitäts-Checkliste: [Link] Und: Dein Gefühl. “Würde ich das unterschreiben?”

“Kann ich auch andere KI-Tools nutzen?”

Nur nach Freigabe (wegen Datenschutz). Frag IT/Führungskraft.

ANPASSUNGEN FÜR VERSCHIEDENE ROLLEN

Für technische Rollen (Developer, Data Scientists):

Fokus:

  • Code-Generierung
  • Debugging mit KI
  • Architektur-Diskussionen
  • Tests schreiben

Zusätzlich:

  • Code Review mit KI
  • Pair Programming mit KI

Für kreative Rollen (Designer, Marketer, Writer):

Fokus:

  • Ideen-Generierung
  • Erste Entwürfe
  • Variation
  • A/B-Testing

Zusätzlich:

  • Wie man “Seele” hinzufügt
  • Wie man eigenen Stil bewahrt

Für analytische Rollen (Analysts, Consultants):

Fokus:

  • Daten-Analyse
  • Research
  • Präsentations-Erstellung
  • Synthese

Zusätzlich:

  • Wie man Quellen prüft
  • Wie man KI-Analysen validiert

Für People-facing Rollen (Sales, HR, Support):

Fokus:

  • Kommunikation (Emails, Messages)
  • Empathie bewahren
  • Personalisierung
  • Grenzen bei Menschen-Kontakt

Zusätzlich:

  • Wann KI NICHT nutzen (echte Beziehung braucht)
  • Wie man KI-Support mit menschlicher Note kombiniert

NACH DEM ONBOARDING: ONGOING SUPPORT

Onboarding endet nicht nach 4 Wochen.

Monat 2-3:

Monatliche Check-ins (30 Min)

  • Wie läuft’s?
  • Was brauchst du?
  • Neue Herausforderungen?

Teil von:

  • Fehler-Sharing (falls vorhanden)
  • Community/Team-Meetings zu KI
  • Zugang zu Best Practices

Ab Monat 4:

Eigenständig, aber connected:

  • Zugang zu Team bei Fragen
  • Teil von Weiterbildung (wenn neue Features)
  • Optional: Mentor für nächste neue Person

Integration

Für HR/Führung:

1. Habt ihr ein strukturiertes KI-Onboarding?

  • □ Ja, und es funktioniert
  • □ Ja, aber verbesserungswürdig
  • □ Nein, jeder lernt selbst

2. Wenn nein: Was braucht es?

  • Buddy-System aufsetzen?
  • Materialien erstellen?
  • Prozess definieren?
  • Zeit freischaufeln?

3. Wer übernimmt das? (Name + Deadline)

4. Ab wann gilt das neue Onboarding? (Nächste Person? Ab sofort?)

Dann: Umsetzen.

Für aktuelle Mitarbeiter*innen:

Wenn du “damals” kein Onboarding hattest:

Vielleicht jetzt nachholen?

  • Buddy finden (jemand, der gut mit KI arbeitet)
  • 4-Wochen-Struktur adaptieren (Selbst-Onboarding)
  • Team fragen: “Können wir das gemeinsam machen?”

Es ist nie zu spät, bewusst zu werden.